So gelingen Übergänge – Tipps von Ingrid Klimke, Uta Gräf & David de Wispelaere

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Sie sind die Essenz vom guten Reiten, denn sie machen das Pferd geschmeidig, haben großen Anteil an einer guten Anlehnung und sind sowieso ein Allheilmittel: Gelungene Übergänge.

Just Paul und Ingrid Klimke haben wir viele Jahre mit der Kamera begleitet, und in diesem Ausbildungstagebuch finden sich so einige Schätze, die ganz konkret zeigen, wie man neue Situationen in der Ausbildung meistert. Zum Beispiel, wie dem Pferd die Übergänge Galopp-Schritt-Galopp beigebracht werden. Weil das so gut nachzuvollziehen ist, widmen wir uns diesem Trainingsfilm mal ganz ausführlich.

Denn in dieser Trainingssequenz zeigt Ingrid Klimke, wie das Erarbeiten von Übergängen vom Schritt zum Galopp gut gelingen kann. Bevor sie mit dieser neueren Übung beginnt, macht sie den Wallach sensibel auf ihren inneren Schenkel. Dafür nutzt sie das Übertreten – wichtig ist, dass Just Paul direkt auf die Hilfe reagiert. Um danach schon den ersten Versuch ins Angaloppieren gut gelingen zu lassen, achtet sie auf ihre eigene Hiflengebung, richtet sich selbst auf. Dieses Durchgehen des eigenen Körpers und seiner Hilfengebung findet also auch bei einer Könnerin wie Ingrid Klimke immer wieder statt!

Was als Fehler passieren kann:

Schief und schräg angaloppiert? 

Dann nicht sofort wieder durchparieren, sondern erst eine Runde galoppieren lassen, fleißig, und dann wieder einen Übergang zum Schritt reiten.

Das Pferd nimmt die Hilfe voraus?

Im Schritt reiten, bis das Pferd wartet, dann wieder einspringen lassen.

Das Pferd nimmt eine Parade nicht an wie gewünscht?

In dieser Sequenz löst ingrid Klimke das mit dem korrekten Ausreiten einer Volte, bei der sie Just Paul immer wieder animiert, die halben Paraden anzunehmen.

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Just Paul lernt, wie er immer harmonischer die Galopp-Schritt-Übergänge leisten kann. Drei Dinge wiederholt Ingrid Klimke häufig: Erstens das fleißig voran Reiten im Galopp. Das ist wichtig, um das Pferd tatsächlich vor den Hilfen zu haben. Zweitens: Das Hineinführen in den Zirkel, damit die Paraden noch besser durchkommen. „Reinführen in den Zirkel – und Sitzen-Sitzen-Sitzen!“ erklärt sie während des Durchparierens, da sie mit einem lang gezogenen „Braaaav!“ quittiert.

Regel beim Lernen: Harmonie hat Vorrang! Die Übergänge nicht zu abrupt reiten.

Wenn sich Trabtritte hineinmogeln

Durch das in den Zirkel Hineinführen und parieren wird das junge Pferd dazu aufgefordert, hinten mehr Last aufzunehmen. Anfangs darf das junge Pferd Trabtritte in den Übergang einbauen. Es werden mit der Übung immer weniger, keine Sorge. Wichtig ist, wie oben herausgestellt, dass die Übergänge harmonisch sind. In dieser Videosequenz sieht man zum Beispiel, wie es erst vier, dann nur noch zwei Trabtritte sind, die sich in den Übergang mogeln. Drittens: Die Stimme des Reiters hilft dem jungen Pferd noch enorm beim Verständnis.

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Auch in der Schrittsequenz achtet die Reiterin darauf, dass das Pferd fleißig schreitet. Erst, wenn das sichergestellt ist, fängt Ingrid Klimke Just Paul wieder ab und gibt erneut eine Galopphilfe.

Trab-Schritt-Übergänge

Trab-Schritt-Übergänge sind eine großartige Hilfe, um das Pferd zu schließen. Dabei sollte der Reiter vorausschauend und geschickt agieren, erklärt Dressurausbilderin Uta Gräf. In diesem Film , ab Mitte des Films ungefähr, hat sie eine sechsjährige Stute unterm Sattel und zeigt den Weg zu guten Trab-Schritt-Übergängen auf. Die Stute macht sich gern etwas frei in den Übergängen, das möchte Uta Gräf verbessern. Es soll sichtbar sein, dass das Pferd den Hals im Übergang gewillt ist zu strecken, also sich ab Widerrist fallen lässt. Langfristigeres Ausbildungsziel ist, dass die Stute sich beginnt, zu schließen. 

Hals fallen lassen

Bevor sie beginnt, einen Übergang einzuleiten, achtet sie darauf, dass die Stute im Trab schön vor dem Reiter ist. Der erste Übergang in dieser Trainingseinheit im Film ist noch nicht ideal: Die Stute macht „sich zu lang, obwohl sie hinten viel Last aufnimmt“, sagt Uta Gräf. Die Ausbilderin nimmt sich für den nächsten Übergang vor, sich selbst mehr Zeit zu nehmen, damit die Anlehnung schön bleibt und die Stute weiterhin zum Gebiss hin zieht. 

Tipp von Uta Gräf: 

Üben Sie im Schritt, das Zügelmaß zu verändern. Lassen Sie die Zügel bis zum hingegebenen Zügel durch die Hände gleiten, und stellen sie dann wieder eine Anlehnung her. Wiederholen Sie das im Schritt, ohne dass sich Takt und Tempo ändern. Auch in den Schrittsequenzen zwischen den Übergängen von Trab zu Schritt zu Trab. So lernen die Pferde, auf weitere Hilfen zu warten, obwohl sich das Zügelmaß verändert. 

Um beim nächsten Übergang eine bessere Chance zu haben, dass die Anlehnung auch im Übergang gut bleibt, verlegt Uta Gräf den nächsten Übergang auf eine Volte. „Man muss vor dem Übergang merken, dass er was wird!“, sagt die Ausbilderin in dieser Trainingssequenz. Gemeint ist damit, dass die Dehnungsbereitschaft so gut ist, die Anlehnung dadurch so gesichert, dass der Reiter schon vor dem Übergang beinahe sicher sein kann, dass diese Qualität im Übergang erhalten bleiben wird. Die Stellung und Biegung auf der Volte arbeitet dem Reiter hier zu. Es ist viel einfacher, das Pferd sicher vom inneren Schenkel an die äußeren Hilfen auf der kleinen gebogenen Linie zu reiten, als auf einer Geraden. „Volte hilft immer!“ sagt daher auch Uta Gräf in dieser Trainingssequenz mit der sechsjährigen Stute. So wird dann auch bei den nächsten Übergängen sichtbar, dass das Pferd sich schon ein klein bisschen mehr schließt, und im Übergang weiter in schöner Anlehnung läuft. Wichtig: Das Beenden auch von Schritt-Trab-Übergängen, sobald auf jeder Hand ein, zwei Übergänge gelingen.

Als Medizin für die Anlehnung

Dass Übergänge immer ein Thema sind, auch wenn gerade etwas anderes im Mittelpunkt steht, zeigt Uta Gräf mit ihrer Arbeitseinheit mit dem Fuchs Lenny. Über Lenny haben wir schon häufiger berichtet. Er ist ein gehfreudiges junges Pferd, dessen Exterieur die Ausbildung etwas schwerer macht. Durch seinen nicht ideal angesetzten und geformten Hals ist die Anlehnung immer ein Thema bei seiner Ausbildung. Er machte sich gern eng und ist fast zu leicht in der Verbindung. Um die Anlehnung zu verbessern, nimmt Uta Gräf viele Übergänge innerhalb einer Gangart hinzu. Sie arbeitet ihn in diesem Video vor allem im Trab mit vielen kleinen Tempi-Unterschieden innerhalb der Gangart. Sie achtet darauf, konzentriert Ecken auszureiten und dann wieder fleißig vorwärts zu reiten und mehr Kontakt zwischen Hand und Gebiss herzustellen, indem Lenny mehr ans Gebiss heran geht. Dieses Differenzieren zwischen konzentriert durch die Ecke, dann ein kleines bisschen zulegen, geschieht auf gerader Linie. Uta Gräf achtet sehr darauf, dass sie merkt, dass Lenny vor den reiterlichen Hilfen steht und er ehrlich ans Gebiss heran zieht.

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Übergänge beim triebigen Pferd

Wie viel oder wie wenig Hilfengebung notwendig sind, um korrekte Übergänge zu reiten, das ist ein zentrales Thema des Ausbilders David de Wisplaere. Seine Pferde treten auf leiseste Zeichen an – zum Beispiel reagieren sie auf das Einatmen oder das Ändern der Körperspannung. Wie solch feine Hilfengebung auch bei einem tendentiell triebigen Pferd funktioniert, zeigt er in der pferdiathek bei einer Einheit mit dem Florestan-I-Sohn Farello. Direkt nach dem Schrittreiten zu Beginn lässt er Farello Schritt-Halt-Übergänge ausführen. Denn dies gäbe dem Reiter eine gute Information dazu, wie viel Hilfe nötig sei. Später in der Galopparbeit zeigt Farello, dass er manchmal das Aussetzen der Schenkelhilfe noch mit dem Ausfallen aus dem Galopp quittiert. David de Wispelaere lässt den Wallach einfach wieder einspringen und erklärt, dass er minimale Änderungen im Körper des Reiters nutzt, um Übergänge zu reiten. 

Körperspannung variieren für den Übergang

Dass dies funktioniert, ist daraufhin auch zu sehen. Das Pferd soll galoppieren, so lange es spürt, dass die Beckenbewegung des Reiters der des Pferdes folgt und sie begleitet. Sobald der Reiter stiller sitzt und weniger in der Bewegung mitgeht, soll das Pferd in den Trab übergehen. Nimmt der Reiter noch mehr Körperspannung weg, soll das Pferd auch vom Trab in den Schritt durchparieren. Zum Anhalten wird dann nur noch ausgeatmet und ruhig gesessen. Alleine durch Differenzierung in der Körperspannung kann so, ohne viel Schenkeldruck und einen ewig klopfenden Schenkel, mit dem Pferd kommuniziert werden. 

 

Viel Erfolg beim Üben!