Lektionen Reiten – Warum?

Olaf-Müller-und-Falk-Stankus

Dass Lektionen nicht dem Selbstzweck dienen, sondern eine bestimmte Rolle in der Ausbildung und Gymnastizierung eines Pferdes haben, dürfte den meisten Reitern klar sein. Problematischer wird es schon, wenn es darum geht, zu erklären, welchen Trainingseffekt einzelne Lektionen haben. 

Für ein harmonisches Reitgefühl muss sich das Pferd im Gleichgewicht bewegen. Seine natürliche Schiefe sowie Gewicht und Eingreifen des Reiters führen allerdings dazu, dass das Pferd in seinem natürlichen Gleichgewicht gestört wird. Dies wird deutlich, wenn Pferde zum Beispiel auf einer Hand eher zum ‚Rennen’ tendieren oder sich schwer tun, mit der Hinterhand gleichmäßig unter den Schwerpunkt zu treten. Wie kann man seinem Pferd dann helfen, wieder ins Gleichgewicht zu finden? 

Wie trägt die Erarbeitung verschiedener Lektionen nicht nur dazu bei, eine Lektion schöner zu reiten, sondern auch die Balance des Pferdes und das Reitgefühl zu verbessern?

Falk Stankus ist Pferdewirtschaftsmeister und reitet erfolgreich bis Grand Prix. Seit 2012 betreibt er auf dem Dorotheenhof in Schleswig-Holstein einen Ausbildungsstall. Reiterlich unterstützt wird er von Olaf Müller, der selbst viele Pferde bis zur schweren Klasse ausgebildet und erfolgreich im Sport vorgestellt hat. In ihrem gemeinsamen neuen Lehrfilm ‚Lektionen reiten – warum?’ zeigen die beiden Ausbilder am Beispiel verschiedener Pferde von unterschiedlichem Ausbildungsstand, wie die Erarbeitung der Lektionen den individuellen Schwächen der Pferde entgegenwirken kann und zur Entfaltung ihrer Stärken beiträgt.

Galopparbeit
Im-Training-mit-Sandrolino
Pferd-im-Training

Bei den Dreharbeiten: 

Die 5-jährige Alissa ist eine großrahmige Stute, die in ihrem Gleichgewicht noch nicht gefestigt ist. Das wird vor allem im Galopp deutlich. Die Erarbeitung des Schulterhereins im Schritt und Trab wirkt der natürlichen Schiefe des Pferdes entgegen. Die leichte Stellung und Biegung fördert die Seitenbeweglichkeit des Pferdes und verbessert so die Balance. Das innere Hinterbein wird aktiviert und verhindert, dass sich das unbalancierte Pferd auf dem Zügel abstützt. Das Pferd nimmt die diagonalen Hilfen an, die Schulter kommt besser vor die Hinterhand. Als Resultat bleibt das Pferd beim Angaloppieren in der Balance und zeigt im Galopp eine bessere Selbsthaltung und geschlossene Oberlinie (siehe Bild).

Der 6-jährige Sandrolino bewegt sich zwar im Gleichgewicht, aber hat durch seinen kompakten Körperbau Schwierigkeiten locker durch den Körper zu schwingen, und sich über den Rücken zu dehnen. Das Schulterherein mit häufigen Trab-Galopp Übergängen auf gebogenen Linien ist hier eine wertvolle Aufgabe, weil das vorgreifende innere Hinterbein weiter unter den Schwerpunkt fußt und so in Verbindung mit den schwunghaften Übergängen die Rückenmuskeln lockert. Der gelöste Rücken kommt zum Schwingen und das Pferd arbeitet in der Balance im gleichmäßigen Vorwärts.

Die 8-jährige Maiglöckchen hat ein ruhiges und ausgeglichenes Wesen. Durch ihren langen Rücken bietet sie körperlich bessere Voraussetzungen für die Schub- als für die Tragkraft. Gerade im Galopp neigt sie dazu, sich im Vorwärts zu verlieren. Durch travers-artiges Reiten in Verbindung mit Volten im Trab beginnt die Stute, sich vermehrt zu versammeln. Das Beugen der Hinterhand wird trainiert und die Tragkraft gestärkt. Dann erst kann sie sich im Rücken mehr aufwölben und zeigt eine deutlich verbesserte Dehnungsbereitschaft.

Training-der-Jungpferde

Püppie ist eine 9-jährige, kompakte Warmblutstute, die vom Typ her fast barock wirkt. Ihre geschwungene Oberlinie und ihr sehr beweglicher Körper machen es dem Reiter schwer, die Hinterhand anzusprechen. Außerdem neigt Püppie dazu, vor den Hilfen des Reiters wegzulaufen. In der schwunglosen Gangart Schritt hat der Reiter Zeit, das jeweilige Hinterbein gezielt anzusprechen. Diese Ansprache der Hinterbeine wird durch den mehrfachen Wechsel von Traversalen und Schulterherein verstärkt. Durch diese Abfolge der Lektionen kann der Reiter den Zugang zur Hinterhand verbessern. Die anfängliche Vorderlastigkeit wird dadurch ausgeglichen und die Oberlinie wird zu mehr Geschlossenheit gebracht.

Der 14-jährige Hannoveraner Hengst Haakon geht erfolgreich Grand Prix. Geschlechtsbedingt braucht er eine klare Aufgabenstellung, um sich bei der Arbeit optimal einzubringen. Beim Thema Versammlung und Aktivität hilft ihm als Vorbereitung zum Beispiel eine etwas steiler gerittene Traversale mit direkt anschließendem Übergang zu halben Tritten. Der Grad der Versammlung wird in der steilen Traversale erhöht und kann in die folgende Übung mitgenommen werden.

Jungpferdeausbildung

Je nach Grad der Durchführung und Kombination können mit den einzelnen Lektionen verschiedene Zielsetzungen verfolgt werden. Für ein optimales Training ist es wichtig, dass der Reiter versteht, wie er sein Pferd in der Ausbildung am sinnvollsten unterstützen kann, damit die gemeinsame Arbeit Freude bereitet und das Pferd an Ausdruck und Schönheit gewinnt.

Lehrvideos von Olaf Müller und Falk Stankus finden Sie in der Videoübersicht!