Was Du in 15 Minuten für Dein Pferd tun kannst

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Jetzt fängt’s wieder an: Die hundert Gründe, warum man weniger reitet, stehen auf der Matte. Platz steht unter Wasser. Halle ist zu voll. Es ist so früh dunkel. Es dauert Ewigkeiten, das Pferd aus den Decken zu schälen, sich selbst umzuziehen und danach alles wieder zu richten. Hier kommt die gute Nachricht: Ihr könnt auch, wenn Ihr wenig Zeit habt, Eurem Pferd etwas Gutes tun. Hier kommen Ideen und handfeste Anleitungen, die das Immunsystem Eures Pferdes stärken, seine Muskulatur lockern, seinen Geist fordern und Eure Beziehung stärken.

Wohl allen, die sich um ihr Pferd und dessen Ausbildung sorgen, ist klar, dass wenig Zeit zu haben nicht der Idealzustand ist. Optimal trainieren und versorgen sieht anders aus. Tatsächlich grätscht uns aber manchmal das Leben hinein in die schönen Pläne, und dann sieht die Alternative eben so aus: Für 30 Minuten zum Pferd oder gar nicht? Natürlich davon ausgegangen, dass das Pferd anderweitig seine Bewegung bekommen hat, ob durch das Haltungssystem oder dadurch einen anderen Menschen.

Hier kommt die gute Nachricht: Ihr könnt auch, wenn Ihr wenig Zeit habt, Eurem Pferd etwas Gutes tun. Und Euch gleich mit, denn all das, was hier notiert ist, stärkt Eure Beziehung zueinander. Vielleicht kennen das manche von Euch – wer schon mal ein krankes Pferd hatte, und deshalb Wochen nicht reiten konnte, sondern Schritt führen und es einfach anders beschäftigen musste, der erlebt oft einen echten Sprung in der Beziehungsqualität. Also: Zeit widmen lohnt sich!

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Hier kommen Ideen, die Eure Beziehung zum Pferd stärken und die, jede für sich, gar nicht viel Zeit benötigen:

Massage & Dehnübungen

Alizée Froment macht’s vor jeder Reiteinheit, Jessica von Bredow-Werndl massiert ebenso eigenhändig ihre Sportpferde. Und das aus gutem Grund: „Ich bemerke so, wie sich der Körper meines Pferdes vor dem Reiten anfühlt“, erklärt Alizée Froment. Sie nutzt dafür ein Arnika-Öl und massiert mit der hohlen Hand, Fingerspitzen und Ballen der Hand nutzend, vom Hals bis zum Schweifansatz. Jessica von Bredow-Werndl benutzt zusätzlich auch ein Matrix-Rhythmus-Gerät, um ihre Pferde zu massieren. Neben dem physiologischen Effekt stärkt diese Behandlung auch die Pferd-Mensch-Bindung. Fellkraulen steht in der Herde schließlich ganz weit oben in der Liste der favorisierten Tätigkeiten unter Freunden. Sinnvolle Dehnübungen für’s Pferd zeigt Dir Tierärztin und Chiropraktikerin Dr. Lena Schubeck in diesem wehorse-Film.

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Die Massage übernimmt auch Jessica von Bredow-Werndl eigenhändig, um zu spüren, was im Körper und der Muskulatur ihrer Pferde los ist. In diesem Film erklärt sie dies genauer.

Akupressur als Immunstärker

Mit wenigen Handgriffen und innerhalb von noch nicht mal fünf Minuten am Tag kannst Du Deinem Pferd helfen, sein Immunsystem zu stärken. Akupressur heißt die Methode, die Dir dabei hilft.

Das funktioniert so: Du übst leichten Druck auf bestimmte Punkte am Pferdekörper mit der Fingerkuppe aus. Wie genau, steht unten im Text und genauer ist es natürlich noch mal im Film erklärt. Die Methode stammt aus der chinesischen Medizin, und im Pferdebereich ist Dr. Ina Gösmeier da die Koryphäe in Deutschland. Sie betreut die Pferde der deutschen Reiter zum Beispiel auf Championaten. Das Schöne an der Akupressur ist, dass jeder Reiter die Methode gut selbst einsetzen kann.

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Sie ist Tierärztin mit Spezialausbildung in der chinesischem Medizin und betreut auch die Pferde der Nationalmannschaften: Dr. Ina Gösmeier.

Die Akupressur kann nicht heilen, aber Therapien unterstützen und das Pferd generell stärken und bei Verhaltensproblemen begleitend prima helfen.

Vorbeugen gegen Husten

Wenn bei Euch im Stall schon Pferde husten oder andere Infektionskrankheiten haben, kannst Du mit Akupressur gezielt etwas tun, damit dieser Kelch an Euch vorbei geht. Für diesen Fall empfiehlt die Tierärztin Dr. Ina Gösmeier folgende Akupressurpunkte:

1. Der erste Punkt, den Du ansprichst, ist Lunge 7 (Lu7). Er liegt knapp über der Kastanie innen am Vorderbein und hat Einfluss auf das Immunsystem.

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Die grün eingekreisten Punkte sind diejenigen, die das Immunsystem positiv beeinflussen können.

2. Der Punkt Dickdarm 4 (Di4) ist ein Schmerzpunkt und aktiviert gemeinsam mit Lunge 7 ebenso das Immunsystem (nicht gleichzeitig drücken, sondern nacheinander). Er liegt ebenfalls innen am Vorderbein, unterhalb des Karpalgelenks.

3. Der Punkt Magen 36 (Ma36) ist „ein ganz imponierender Punkt!“, erklärt Dr. Ina Gösmeier. Man sage über ihn folgendes: „Er aktiviert den erschöpften Läufer so, dass er noch drei Dörfer weiter rennen kann.“ Es sei nachgewiesen, erklärt die Tierärztin, dass die Akupressur dieses Punktes die Produktion der weißen Blutkörperchen anrege. Er liegt am Unterschenkel, also am Hinterbein des Pferdes zwischen Kniegelenk und Sprunggelenk, und tendenziell eher vorn als seitlich auf dem Unterschenkel.  

Mit welcher Technik Du drücken musst, hängt vom Ziel der Behandlung ab. Für die Immunstärkung nutzt Dr. Ina Gösmeier die Yan Technik, sie wirkt belebend. Dafür übst Du mit der Fingerkuppe leichten Druck, permanenten Druck für nur 30 Sekunden aus. Damit die Behandlung anschlägt, akupressierst Du täglich und beendest die Behandlung fünf Tage, nachdem das letzte Pferd im Stall nicht mehr krank ist. Im Idealfall reagiert das Pferd sofort nach der Behandlung durch abschnauben und einmal tief durchatmen.

In der Theorie der chinesischen Medizin passiert durch Akupressur folgendes: Sie beeinflusst den Chi-Fluss, einen Energiefluss im Körper. Ein gleichmäßiger Chi-Fluss hält den Körper in Harmonie. Wichtig: Nie mehr als fünf Akupressur-Punkte nutzen. Welche Punkte Du akupressieren kannst, zeigen Dir die Filme von Dr. Ina Gösmeier.

Wie es genau geht, erklärt Ina Gösmeyer in diesem Film

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Ausbilder Wolfgang Marlie bei der Freiarbeit. Viele Anregungen zur Beschäftigung abseits des Reitens sind in seinen Lehrfilmen enthalten. 

Spazieren & Beieinander sein

Ja, das klingt simpel. Es ist auch simpel, aber es ist ebenso hoch effektiv, um die Bindung zu stärken. Geh’ mit Deinem Pferd spazieren. Und verbringe einfach mal Zeit mit ihm, ohne eine Aufgabe oder ein Trainingsziel im Kopf zu haben. Meist gehen wir mit einer hohen Erwartungshaltung ans Pferd: Wir wollen gymnastizieren, gesund pflegen, Muskel aufbauen, Bodenarbeit machen. Das hat ja auch alles seine Berechtigung. Aber ab und zu mal anzuhalten und einfach da zu sein und zu beobachten birgt Qualtitäten, die man im Alltag so schnell vergisst. Übrigens machen genau das auch die Großen: Wolfgang Marlie zum Beispiel, oder Philippe Karl.

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Sich Zeit nehmen, um ein Ründchen zu drehen: Das macht auch Philippe Karl. 

Muskeln entspannen

Auch das ist eine Massage-Methode: Die Stresspunkt-Massage nach Jack Meagher. Bei uns zeigt Tierheilpraktiker und Pferdephysiotherapeut Claus Teslau diese Methode in verschiedenen Filmen. Diese Druckpunkte befinden sich immer in den Bereichen Sehnenansatz und Sehnenursprung. Bemerkt der behandelnde Mensch eine Schmerzreaktion an einem Punkt (nur durch leichtes, ansteigendes Drücken ausgelöst), dann verharrt er für wenige Minuten dort, was eine Ausschüttung von Histamin bewirkt. In diesem FILM wird erklärt, wie man Verhärtungen durch Abfühlen erkennen kann. Der Pferdephysiotherapeut erklärt, wie er bei Schmerzreaktionen an einem Punkt arbeitet – super spannend, wenn auch nicht ganz so einfach in der Handhabung wie unsere Tipps Nr. 1 und Nr. 2.

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Claus Teslau bei einer Behandlung

Clickern & Zirkus

Während Ihr die oben genannten Dinge einfach mal zwischendurch machen könnt, braucht man für die folgenden zwei Tipps etwas mehr Einarbeitung ins Thema. Aber: wenn Ihr wisst, wie’s geht, könnt Ihr Übungen aus dem Clicker- und Zirkusbereich auch immer mal wieder zwischendurch einbauen, auch an Tagen, an denen Ihr nicht gleich Stunden am Stall verbringen könnt. Achtung: Bei beiden Möglichkeiten gibt es Übungen, die kalt gemacht werden können und Übungen, bei denen das Pferd auf jeden Fall aufgewärmt sein sollte, im Winter bedeutet das 15-20 Minuten Zeit zum warm werden einbauen. Beides hat den Vorteil, dass der Geist vom Pferd ebenso angesprochen und beschäftigt wird.

Bea Borelle widmet sich nicht nur der Dressurausbildung in der Schule der Légèrté, sondern ist seit vielen Jahrzehnten versiert im Zirkusbereich. Hier findet Ihr Ihre Ausbildungsvideos zum Thema Zirkustricks (mit dem bezaubernden Ben noch zu besten Zeiten – er lebt immer noch, ist aber inzwischen ein älterer Herr!). Mit Clickerexpertin Nina Steigerwald haben wir eine Ausbilderin im Filmbereich, die sehr gut erklären kann. Die allerwichtigste Lektion zu Beginn ist die Fütterungskonsequenz. Das bedeutet, dass das Pferd darauf konditioniert wird, nicht nach Leckerlis zu betteln. Schaut Euch an, wie das funktioniert, denn gute Manieren sind immer hilfreich!