Rückwärtige Hand? So kannst Du sie verbessern!

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Letztens habe ich ein hervorragendes Mittel entdeckt, die Reiterhand zu verbessern: Vierzügeliges Reiten mit Trense und Halsriemen! Wie es dazu kam? Wir hatten Ausbilderin Lisa Röckener zum Reitkurs eingeladen. Thema war „Der Weg zum Halsringreiten.“ Das haben wir auch gemacht. Doch die große, unerwartete Überraschung für mich war, wie unglaublich hilfreich vierzügeliges Reiten mit Halsring und Trense ist. Es macht jede kleinste Reiterhandbewegung sichtbar und fühlbar.

Der beste Nebeneffekt

Lisa Röckener hatte für den Kurs Halsringe aus Biothane, genannt Equizügel, mitgebracht. Von der Breite und Dicke sind sie einem Lederzügel oder auch dem Balancezügel von Linda Tellington-Jones ähnlich. Eine Seite, die zur Pferdebrust zeigt, ist gepolstert, die Seite, die zur Reiterhand zeigt, ist dünn. Erste Reitaufgabe war: Trensenzügel und Equizügel aufnehmen und damit gemeinsam einwirken. Wenn das klappte, immer mehr am Trensenzügel nachgeben, so dass dieser irgendwann durchhängt, und nur noch mit dem Equizügel reiten. Das war prima - doch vor allem das vierzügelige Reiten hat einen tollen Nebeneffekt: 

Der Zügel um den Hals erzieht Deine Reiterhand.

Da er um die Brust, um den Halsansatz des Pferdes verläuft, ist es unmöglich, mit der Hand nach hinten einzuwirken. Ich bin wirklich jemand, der stetig um eine feine Hand bemüht ist. Wie viele kleine, unbewusste rückwärtige Handbewegungen es bei mir dennoch gab – das hat mich überrascht! Diese Nuancen mit dem Equizügel wegzutrainieren, das wäre es mir wert, ihn öfter zu benutzen. Natürlich könnte man auch jeden anderen Lederzügel dafür nehmen. Er darf nur nicht zu kurz sein, sollte unaufgenommen von der Länge her locker bis auf den unteren Teil Pferdebrust fallen. Das sieht ungewohnt lang aus, weil es viel länger ist, als die typischen ringförmigen, starren Halsringe. Doch es ist wichtig:  Ist dieser Halsriemen zu kurz, behindert er eher die korrekte Einwirkung, als dass er hilfreich wäre. Denn der Reiter kippt dann gern nach vorn oder drückt die Hände starr hinunter.

Würde man einen einfachen Lederzügel als Halsring benutzen, würde allerdings eine andere Lerneinheit wegfallen. Durch das Polster des Equizügels gibt es nämlich noch eine Lernmöglichkeit. Wenn man die Hand nicht richtig um den Zügel schließt, rutscht der Zügel leicht durch die Hand und dreht sich so, dass einem das Polster entgegen kommt. Erst fand ich das ziemlich unpraktisch - bevor ich den Lerneffekt erkannte! Denn um den Zügel an Ort und Stelle zu halten, muss man auf geschlossene Zügelfäuste achten, sonst bekommt man sofort die Quittung. So lernt man wirklich, den dachförmig gebeugten Daumen auf dem Zeigefinger gedrückt zu lassen. (Denn darum geht’s, nicht darum, die restlichen Finger krampfhaft an den Handballen zu drücken. Die Fingerkuppen sollen sanft auf den eigenen Handballen aufliegen, um so durch festeren Schluss oder Lockern beim normalen Trensenzügel einwirken zu können.)

Das Pferd am Sitz haben

Generell ist das Geheimnis des Halsringreitens, dass das Pferd schon sehr gut am Sitz sein muss.

Dressur also ist die Grundlage für vernünftiges Reiten ohne Zaumzeug!

Tatsächlich ist es dann nur eine Kopfsache, ob man sich traut, die Zügel und das Zaumzeug wegzulassen oder nicht. Ich bin die Warmblutstute Ailena zuvor noch nie mit Halsring geritten. Doch am ersten Kursnachmittag hatte ich das Gefühl: Das geht. Also habe ich erst die Zügel verknotet, und sie irgendwann sogar abgemacht. Schließlich sind wir so sogar im Galopp auf dem Zirkel, verkleinernd und vergrößernd, unterwegs gewesen. 

Was ist der Unterschied zwischen Halsring und Equizügel?

Während der Equizügel für mich ideal war, war er für meine kleine Tochter zu wenig deutlich. Dadurch, dass sich das Material an den Pferdehals anschmiegt, hat man einen weichen, flächigen Kontakt zum Pferdekörper. Meine Tochter ist auf der Reitponystute Chamonix noch ein echter Zwerg. Egal wie brav dieses Pony auch ist, es ist nicht so leicht für sie, mit den Hilfen durchzukommen. Ein normaler Halsring, also aus Drahtkörper mit weicher Baumwolle umflochten, hat da mehr Signalwirkung und funktionierte für diese beiden viel besser.

Was vorher klappen sollte

Bevor wir das vierzügelige Reiten mit Halsring im Kurs geübt haben, standen vormittags Bodenarbeit und Horsemanship-Arbeit auf dem Programm. Diese Horsemanship-Arbeit vor dem Halsringreiten ist essentiell, damit das Pferd lernt, auf ein Stimmkommando in jeder Situation anzuhalten. Jede freie Arbeit mit dem Pferd wird durch solch ein antrainiertes Stopp-Signal sicherer. Wie Lisa mit Stimmhilfen arbeitet, habe ich Euch hier aufgeschrieben (und sie hat mich damit echt überrascht!). Alle Hinweise in diesem Artikel gelten natürlich für das Reiten auf geschlossenen Reitplätzen oder Hallen. 

Fazit

Vierzügelig mit einem Halszügel, also Equizügel oder auch Balancezügel zu reiten, hilft enorm, mehr Bewusstsein für die eigenen Hände zu erlangen! Ich finde es empfehlenswert. Vor allem, weil man es so einfach ins tägliche Reiten einbauen kann.  

Lisa Röckener hat uns übrigens im Kurs zudem die ersten Ansätze vermittelt, wie man dem Pferd auf Halsring verständlich macht, unterschiedliche Kopf-Hals-Postitionen einzunehmen. Von Dehnungshaltung bis Arbeitshaltung, die von der äußerlichen Form her einer Beizäumung gleicht, ist es das möglich. Davon gelangen uns in den zwei Kurstagen nur Ansätze. Doch es war unglaublich faszinierend, zu sehen, dass das alles logisch aufbauende Schritte in dieser Art der Pferdeausbildung sind.